
Gerade die neue Langspielplatte "Es Werde Nicht" der Boygroup Knorkator genossen. Hier mal eine frühe Beurteilung der einzelnen Stücke:
1. Du Nich
Ist ja mittlerweile hinreichend bekannt. Bis auf den etwas kreativitätsarmen Refrain imo ein gelungener Text, der zum Mitgröhlen anregt. Insbesondere musikalisch aber ein sehr gelungenes Stück, wie ich finde.
2. Nö
Erinnert zu Anfang stimmungsmäßig ein wenig an Das Lied vom Pferd. Bis zum Refrain jedenfalls, den ich in der Form nicht erwartet hätte. Musste spontan grinsen, als ich ihn das erste (und zweite (und dritte)) Mal hörte. Zum Ende nochmal ein sehr cooles Solo... Das war Nö.
3. Arschgesicht
Leider die erste Enttäuschung des Albums. Die Instrumentalfraktion ist hier weniger das Problem, als die Tatsache, dass hier wohl ein Gastsänger (Tim Tom, Alf Ators Sohnemann; Dank an den Kommentator) zum Einsatz kommt. Grundsätzlich auch kein Problem, wenn es nicht grade eine schnappimäßige Kinderstimme wäre... Gerade in Verbindung mit dieser klingt der Text auch einfach nur kindisch-trotzig. Vielleicht hab ich auch die/eine Ironie nicht erkannt. Naja, mal sehen ob und wie das Liedel live rüberkommt.
4. Du Bist Schuld
Sehr treibender, durchaus als hart (für Knorkator-Verhältnisse) zu bezeichnender Song. Gröhlbarer Refrain. Auch gefällt mir, wie bei Du Nich, der musikalische Aspekt, der einfach fokussierter, einfallsreicher, vielseitiger ausfällt, als in der Vergangenheit. Was mir bisher allerdings (auf Albumlänge) fehlt, ist der große Witz, die Niveaulosigkeit in den Texten...
5. Warum
Mhh. So kannte ich meine Knorkatoren ja gar nicht. Sehr nachdenklich, fast schon melancholisch wirkt das, wenn der mittlerweile ergraute Herr Ator den Sinn im Allgemeinen mit paradoxen Warum-Fragen zu ergründen versucht. Die banale Antwort auf diese Fragen liefert uns Stumpen wiederum im Refrain, und hier möchte ich mal zitieren:
"Weil diese grandiose Melodie
So voller Schmerz, Sehnsucht und Poesie
Sich gern auf große Worte legt
Damit das Lied dein Herz bewegt"
Mit anderen Worten: Weil es gut zur Mucke passt. Sehr schönes Lied.
6. Refräng
Durch die zahlreichen Live-Darbietungen kennt man auch diesen Song, insbesondere den
"REFRÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄNG".
Ganz lustige Idee, im Songtext das Songwriting bzw. den Aufbau des Songs zu beschreiben aber natürlich auch kein absoluter Brüller. Prädestiniert für Live.
7. Aint Nobody - Knorkator 2011
Endlich mal wieder ein Cover. Den Originalsong kannte ich bis dato noch nicht. Wem es genauso geht:
Chaka Khan - Aint NobodyEinerseits haben sie die Stimmung des Originals sehr gelungen ins Melancholische gedreht, was mir persönlich um einiges mehr zusagt, als die Radiotauglichkeit des 80er-Originals. Andererseits lässt sich über die Wahl des Songs streiten... Songs wie Ma Baker oder All That She Wants sind natürlich um einiges live-tauglicher und außergewöhnlicher im Bezug auf die musikalische Interpretation.
8. Faster Harder Scooter
Wieder nichts Neues für den Knorkator Fächerjungen insofern, als dass dieser Song bereits auf der Hands On Scooter - Scheibe zu hören war. Erinnert von der Interpretationsart und durch Stumpens orchestralen Gesang an das Cover von Highway To Hell.
9. Kinderlied
Ich hab es befürchtet. Wieder diese beschissene Kinderstimme. Ist einfach nicht mein Fall. Weiter.
10. Bleib Stehn
Viel fällt mir hierzu nicht ein. Geht gut ins Ohr, ist aber nix Besonderes.
11. Auf dem See
Wieder diese Geige. Wieder diese Melancholie. Menschenskind, was hör ich hier eigentlich? Nicht dass es schlecht wäre (ich finds verdammt gut!) aber... Wo ist der Alf Ator, der mit den Händen in den Hosentaschen über rote Ampeln geht, während er von kleinen Kindern beobachtet wird? Wo ist der Stumpen, der sich selbst klonen will, um den Geschlechtsakt mit sich selbst zu vollziehen?
12. Geboren
Ein weiteres Cover, diesmal von Fanta 4. Kann man kennen, ich kenns nich. Relevant ist sowieso nur der Text, da die werten Herren diesen lediglich über die Melodie von "Das Lied" legen. Klingt zwar sehr billig in der Theorie, hat aber einen großartigen Effekt in der Praxis und gibt dem Lied einen etwas nachdenklicheren Touch, als die Originalversion. Groß!
13. Sofort
Sehr geiler (aber kurzer) Rausschmeißer. I won a math debate, wenn ihr wisst, was ich meine. ;)
Fazit: Zwiespältige Gefühle. Knorkator anno 2011 sind nicht mehr die Komik-Bomben, die sie einst waren. Das zeichnete sich auf dem nächsten Album aller Zeiten ab (eigentlich sogar schon auf Ich Hasse Musik) und wird hier mit aller Konsequenz fortgesetzt. Beim Genuss von Es Werde Nicht werden keine Tränen gelacht ob der niveauvollen Niveaulosigkeit bzw. der Derbheit der Texte. Kein Ficken, keine Scheiße, keine theoretischen Rektal-Ausflüge im eigenen Körper.
Was bleibt also von Knorkator?
Es bleibt eine Band, die ausgesprochen gute und abwechslungsreiche Musik produziert, die einen beizeiten zum Nachdenken anregt und zeitweilen ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Schlicht eine Band, die ich in meiner Musiksammlung nicht missen möchte.